Versorgungsprobleme

Schlechter versorgt nach Anbieterwechsel

Wenn Krankenkassen den Versorger für Hilfsmittel ändern, um Geld zu sparen, kann das zu erheblichen Problemen bei Patienten führen. Die Initiative Faktor Lebensqualität dokumentiert einige Einzelschicksale.

Menschen mit Funktionsstörungen des Darms oder der Blase sind auf eine dauerhafte und gute Versorgung mit Stoma- und ableitenden Inkontinenzartikeln wie Kathetern angewiesen. Diese ermöglichen ihnen ein selbstbestimmtes Leben. Einige Krankenkassen haben die Verträge mit den Leistungserbringern für diese medizinischen Hilfsmittel vor kurzem neu ausgeschrieben und an den günstigsten Lieferanten gegeben. Für etliche Betroffene hatte das gravierende Folgen: Sie erhalten nicht mehr die gewohnten Produkte, der Service ist schlechter, die individuelle Beratung und Betreuung fällt weg.

Die Initiative Faktor Lebensqualität dokumentiert hier einige Beispiele von Versorgungsproblemen, die sich durch die Ausschreibung der Hilfsmittel-Versorgung der Krankenkassen ergeben haben.

Einige der Betroffenen wollen namentlich nicht genannt werden. Manche haben diesen Weg gewählt, weil sie gegen den erzwungenen Versorgerwechsel protestiert und darauf mit ihrer Krankenkasse eine Sondervereinbarung getroffen haben. Die Initiative Faktor Lebensqualität hat vollstes Verständnis für diese Patienten, weil diese nur so ihre erforderliche und ihnen zustehende Versorgung aufrechterhalten können. Allerdings ist das Vorgehen der Kassen aus Sicht der Initiative höchst bedenklich, weil die Leistungen dieser Sondervereinbarungen eigentlich vollständig im Rahmen des Sozialrechts liegen. Hier wird also auf Kosten der Patienten gespart und der bestehende Standard gesenkt.

In Deutschland leben insgesamt etwa 250.000 Menschen mit künstlichem Darmausgang und Blasenfunktionsstörungen, derzeit haben nur wenige Kassen die Leistungen und die Versorgung ausgeschrieben.

Sabrina Grau: »Weil die Krankenkasse sparen will, muss meine Tochter leiden«
Nach der Beauftragung eines neuen Hilfsmittel-Versorgers verschlechtert sich die Versorgung mit Blasenkathetern für die Tochter von Sabrina Grau erheblich – mit gravierenden Folgen.

Karl Schneider (Name geändert): »Die neue Versorgung schafft Probleme«
Der Parkinson-Patient erhält nicht mehr die passenden Urinalkondome, das macht die Versorgung für seine Frau fast unmöglich.

Katharina W.: »Der Service des neuen Anbieters ist mangelhaft«
Die Techniker Krankenkasse tauscht Katharina W.s Versorger für medizinische Hilfsmittel aus. Mit katastrophalen Folgen für den Tagesablauf der Patientin.

Anonym: »Der Standard wird nach unten gedrückt«
Ein Angehöriger pflegt seinen Vater, dessen Blase katheterisiert werden muss. Sein neuer Hilfsmittel-Versorger liefert dafür deutlich geringere Material-Qualität und hat einen schlechten Service.

Axel Junge: »Die Qualität des neuen Eigenprodukts ist schlechter«
Ein neuer Hilfsmittel-Versorger tauscht bei Axel Junge ein Produkt durch eine günstigere Eigenmarke aus – das spürt Junge merklich.
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