»Weil die Krankenkasse sparen will, muss meine Tochter leiden!«

»Wir fahren in den Urlaub, gehen an den Strand. Dass bei meiner Tochter dabei bis vor einiger Zeit ein Schlauch sichtbar aus dem Bauch führte und die Leute geguckt haben, damit konnte sie umgehen«, erzählt Sabrina Grau. Ihre 16-jährige Tochter Antonia Grau hat seit ihrer Geburt eine so genannte neurogene Blasenfunktionsstörung. Die Betroffenen haben kein Gefühl dafür, wann die Blase voll oder leer ist. Wird dadurch der Urin nicht regelmäßig ausgeschieden, sammeln sich deutlich vermehrt Bakterien in der Blase, was zu schweren Infektionen führen kann oder zur Schädigung anderer Organe, etwa der Niere. Antonia Grau lebte daher bis vor kurzem mit einem Schlauch, der aus ihrem Bauch in einen Urinbeutel führte. »Sie hat für den Beutel eine kleine Umhängetasche verwendet, die haben wir immer ihre Handtasche genannt«, sagt Mutter Sabrina Grau.

Doch auch diese medizinische Lösung führte immer wieder zu Nierenproblemen bei der Tochter. Um diesen zu begegnen und um für mehr Lebensqualität zu sorgen, wurde Antonia im vergangenen Jahr ein so genanntes Mitrofanoff-Stoma gelegt. Über einen Kanal zur Blase ist es möglich, mit Einmalkathetern den Urin abzulassen. »Man muss sich das wie ein Loch im Bauch neben dem Bauchnabel vorstellen«, erläutert Sabrina Grau. »Mit einem Katheter wird die Blase geleert. Danach verschließt man das Loch einfach mit einem Pfropfen. Man sieht fast nichts und meine Tochter kann einfach so ins Meer hüpfen, wie andere Jugendliche.«

Neuer Versorger liefert keine Auswahl und hilft nicht bei Anwendung
Doch diesem etwas unbeschwerteren Leben für ihre Tochter Antonia macht die Techniker Krankenkasse einen Strich durch die Rechnung. Sie hat die Versorgung mit Hilfsmitteln für die Familie nach einer Ausschreibung an einen anderen Dienstleister übergeben. Mit gravierenden Folgen: Mehrere Wochen wartete Sabrina Grau nach einer erneuten Operation ihrer Tochter am Stoma auf Einmalkatheter. Damit deren Anwendung klappt, muss diese zu Anfang viel geübt werden. Bei einem vorherigen Versorger wusste man um dieses Problem. Eine Betreuerin kam damals schon mal bis zu drei Mal am Tag, um Antonia bei der Anwendung zu helfen. »Die Schwierigkeit ist, ein Gefühl für den Umgang mit dem Katheter zu bekommen. Zu Anfang kann das etwas dauern, man muss es ja erst lernen«, sagt Sabrina Grau. Auch gab es beim vorherigen Versorger zu Anfang ein Angebot mehrerer Produkte, um das auswählen zu können, mit dem Antonia am besten umgehen kann.

Der neue Versorger ignoriert diese Probleme der Anfangsphase. Er lieferte keine Auswahl an verschiedenen Produkten, die Ware kam nicht rechtzeitig, eine Beratung fand nicht statt. »Weil wir keine passenden Katheter und keine Proben bekommen haben, musste Antonia schon zwei Mal in der Klinik wieder ein Dauerkatheter gelegt werden«, erzählt Sabrina Grau. Sie verstehe nicht, was das Problem sei. »Beim vorherigen Versorger hat es ganz einfach geklappt. Wir haben mehrere Produkte zur Auswahl ins Haus geschickt bekommen, gleich am nächsten Tag«, sagt Sabrina Grau. Auch eine intensive Beratung und Betreuung durch das neue Unternehmen gebe es nicht. Ihre Krankenkasse habe ihr daraufhin geraten, sich an einen Pflegedienst zu wenden. »Eine Versorgung von Blasenkathetern übernimmt bei uns in der Region aber kein Pflegedienst. Die kennen sich damit nicht aus und sind auch nicht darauf eingestellt, mit Kindern und Jugendlichen umzugehen«, erläutert Sabrina Grau. Für sie bleibt eine bittere Erkenntnis: »Weil die Krankenkasse sparen will, muss meine Tochter leiden.«

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