»Das Stoma hat mein Leben gerettet«

An das Dünndarm-Stoma, das Sabrina Berning seit einer Not-Operation trägt, hat sie sich schnell gewöhnt. Die Versorgungs-Ausschreibung ihrer Krankenkasse fand sie nicht okay – und kündigte.

Sabrina Berning ist eine lebenslustige Person. Die 26-Jährige ist viel unterwegs und lässt sich vom Tanzen, Akrobatik, Geräteturnen oder anderen Hobbys auch nicht dadurch abhalten, dass sie seit Ende 2012 ein Stoma trägt. In dem Jahr wurde bei ihr eine chronische Dickdarm-Entzündung (Colitis ulcerosa) diagnostiziert. Zuerst ließen sich die Beschwerden mit Medikamenten behandeln, doch die Krankheit kehrte in Schüben immer wieder. Weil sich eine aggressive, toxische Flüssigkeit in ihrem Darm ansammelte und dieser zu platzen drohte, wurde ihr in einer Not-Operation der gesamte Dickdarm entfernt und ein Dünndarm-Stoma
gelegt. Sabrina Berning erzählt, dass sie dies nach ihrer Erholung positiv gesehen hat: »Das Stoma hat mein Leben gerettet. Mir ging und geht es besser dadurch.«

Kein Problem mit dem Beutel vor dem Bauch – aber mit der Krankenkasse
Mit der neuen Situation ist Berning schnell klargekommen. »Wenn man sich erst mal daran gewöhnt hat, dass jetzt ein Beutel vor dem Bauch hängt, geht es gut.« Sie spricht offen über das Stoma – auch mit Freunden hat sie nicht lange drum herum geredet: »Ich habe denen erklärt, dass ich nicht mehr ‚normal‘ auf die Toilette gehe, und es waren auch alle interessiert, wie das jetzt funktioniert.«
Unzufrieden war Sabrina Berning allerdings vor gut einem Jahr, als ihre damalige Krankenkasse, die KKH, ihr mitteilte, dass ihre Versorgung mit den nötigen medizinischen Hilfsmitteln öffentlich ausgeschrieben und neu vergeben worden war. Die KKH war eine der ersten Kassen in Deutschland, die die Versorgung mit Produkten für die ableitende Inkontinenz- und Stomaversorgung ausgeschrieben und damit den Patienten ihre Wahlfreiheit für einen Leistungserbringer und ihre gewohnten Produkte eingeschränkt hat. Die KKH unterlief damit die bereits begonnenen Bemühungen der Politik, dies in einer neuen Fassung des Heil- und Hilfsmittel-Versorgungsgesetzes (HHVG) zu unterbinden. Für Berning bedeutete das: Sie konnte ihre Stoma-Produkte nicht mehr bei ihrem bisherigen »Versorger um die Ecke« bekommen. »Es hat mir immer ein gutes Gefühl gegeben, zu wissen, dass ich dort spontan hingehen kann, wenn ich etwas benötige.«
Bei vielen chronischen Darm-Erkrankungen kommt es durchaus vor, dass die Betroffenen mehr Produkte benötigen als der Arzt zunächst verordnet hat.

Krankenkassen-Wechsel als einziger Ausweg: »Schließlich geht’s um meine Gesundheit«
»Ich wollte bei meinem kleinen, guten Versorger nicht weg«, sagt Sabrina Berning. Doch das war durch den erzwungenen Versorger-Wechsel nicht mehr möglich. Also kündigte Berning ihrer Krankenkasse und suchte sich eine neue. »Ich möchte weiterhin die Freiheit haben, meine Produkte dort zu beziehen, wo ich es möchte«, sagt sie. »Es geht mir dabei darum, dass ich mir nicht vorschreiben lassen will, was ich zu tun habe. Das sehe ich nicht ein.«

Sabrina Bernings Statement zur BVMed-Initiative für die Verbesserung der ableitenden Inkontinenz- und Stomaversorgung:

»Liebe Krankenkassen, nicht am falschen Ende sparen! Ich bin gesetzlich krankenversichert. Und das möchte ich auch gerne bleiben. Aber ich will nicht, dass wichtige Leistungen meiner Kasse wie z.B. die Stomaversorgung öffentlich ausgeschrieben werden, nur um Geld zu sparen. Die Wahlfreiheit für Produkte und Versorger muss unbedingt bleiben! Schließlich geht’s um meine Gesundheit.«

Pech für die Krankenkasse in diesem Fall: Eigentlich war Sabrina Berning mit der KKH zufrieden. »Wenn die die Ausschreibung nicht gemacht hätte, wäre ich dort geblieben«, sagt sie.

Sabrina Berning
26 Jahre alt, kaufmännische Angestellte
Dünndarm-Stoma seit Ende 2012 nach Diagnose von Colitis ulcerosa mit Komplikationen
Colitis Ulcerosa ist eine chronische Darmentzündung, die Morbus Crohn ähnelt

Motive der Anzeigenkampagne zum Download

©1999 - 2018 BVMed e.V., Berlin – Portal für Medizintechnik