Inkontinenzprodukte - ableitend

„Ich kann ein ganz normales Leben führen“, Charlotte Gutzeit

62 Jahre, Leinfelden-Echterdingen - Multiple Sklerose, sitzt seit 1985 im Rollstuhl

Als Charlotte Gutzeit 1983 an Multipler Sklerose erkrankte, ging damit auch einher, dass sie nicht mehr alleine Wasserlassen konnte. Sie entschied sich gegen einen Dauerkatheter und für den so genannten intermittierenden Selbstkatheterismus (kurz ISK). Die Reaktionen darauf waren immer ähnlich: „Ich war ein Exot“, erzählt die 62-Jährige über Mediziner, mit denen sie zu tun hatte.
Bei der Entscheidung für den ISK waren Gutzeits medizinischen Kenntnisse als Krankenschwester hilfreich. Wichtig war es ihr von Anfang an, ihr Leben weiterhin möglichst umfassend selbst gestalten zu können. „Der ISK ist für mich das beste Mittel. Wenn man nicht selbst katheterisiert, muss man sich einen Dauerkatheter legen lassen.“ Das aber bedeutet erhebliche Einschränkungen, etwa nicht mehr schwimmen gehen zu können. „Man sieht den Dauerkatheter, weil der über die Bauchdecke gelegt wird“, erklärt Gutzeit. „Auch in der Partnerschaft ist es unangenehm, wenn da immer so ein Beutel und Zeug rumbaumelt.“

Ein normales Leben: „ISK macht mich unabhängig“

Natürlich müsse so eine Entscheidung jeder Betroffene für sich fällen, sagt die Rentnerin. Sie ermöglicht Menschen jedoch, den ISK mindestens auszuprobieren. In einer Arztpraxis betreut sie noch heute bei 10 Patienten die ISK-Anwendung. Sie rät Betroffenen zu: „Ich kann ein ganz normales Leben führen, wie jeder andere auch. Darauf kommt es mir an. Diese Perspektive sollte allen Betroffenen eröffnet werden.“ Noch immer werde heute 30- oder 40-jährigen Betroffenen in Kliniken zu einem Dauerkatheter geraten. Sie hält das in vielen Fällen für grundfalsch.
Für Charlotte Gutzeit erleichtert der ISK den Alltag erheblich. „Ich kann beruhigt ausgehen, so wie ich es möchte.“ Zwar müsse sie natürlich auf die Menge Flüssigkeit achten, die sie zu sich nehme und dann nach einer bestimmten Zeit katherisieren. Das sei jedoch normalerweise problemlos in jeder Toilette möglich. Und liege die einmal mit dem Rollstuhl unerreichbar im Keller, habe sie noch ihr Auto. Das ist mit verdunkelten Scheiben und einem Sichtschutz so umgerüstet, dass sie sich auch dort katherisieren könne: „Niemand sieht hinein, ich habe in einer Tasche alles parat, dort kann ich den Beutel lagern und später entsorgen. Der ISK ermöglicht mir einen besseren Alltag und macht mich unabhängig.“

Produkte entwickeln sich

Gelegentlich hat Charlotte Gutzeit mit Harnwegsinfekten zu kämpfen. Ein oder zwei Mal im Jahr passiere das, sagt sie. Dann werde ihr im Krankenhaus oder im Notdienst immer mal wieder nahe gelegt, sich einen Dauerkatheter legen zu lassen. „Aber die Infekte kommen meiner Ansicht nach sicher nicht vom Selbstkatheterisieren, sondern weil ich mich an einem Sommerabend ohne Strümpfe verkühlt habe. Oder es war im Biergarten doch kälter als gedacht. Das kann jedem passieren – warum darf es mir nicht passieren?“ Zumal sie vermute, dass der ISK auch für die Krankenkassen die günstigere Variante sei.
Fünf bis sechs Katheter benötigt Gutzeit am Tag, die Versorgung klappe gut. Sie schwört dabei auf den Hersteller, mit dem sie vor mehr als 30 Jahren begann. Es war eins der ersten hydrophilen Produkte, also mit einem wasserlöslichen Gleitmittel. Auch andere Hersteller probiere sie immer wieder aus, für sich und für die Patienten, die sie betreut. „Es tut sich da immer mal wieder was, die Produkte werden erfreulicherweise immer besser, so dass eine gute Auswahl besteht.“
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