Ableitende Inkontinenzversorgung (ISK)

Pauschalverträge und Ausschreibungen

Um Kosten zu reduzieren, haben einige Krankenkassen, wie die AOK Nordost, die Versorgung von ISK-Anwendern mit so genannten Pauschalverträgen organisiert. Die bisherigen Verträge orientieren sich an den vom GKV-Spitzenverband festgelegten Maximalwerten, den Festbeträgen. Mit den Pauschalverträgen versuchen die Krankenkassen, die Versorgungskosten zu reglementieren. Die Festbeträge beziehen sich auf die Stückpreise der Einmalkatheter. Der Pauschalbetrag bezieht sich auf geschätzte Monatsmengen pro Patient. Es sind also standardisierte Mittelwerte, die den Leistungserbringern erstattet werden. Brauchen einzelne ISK-Anwender mehr Einmalkatheter, als durchschnittlich veranschlagt, trägt der jeweilige Leistungserbringer die Mehrkosten, da er die Versorgung der Patienten pauschal abrechnet, nicht nach tatsächlichen Bedarfsmengen. Die Krankenkassen verlagern so das Versorgungs- und Kostenrisiko auf die Leistungserbringer. Die Leistungserbringer werden so gezwungen, günstige Produkte einzusetzen oder die mengen zu regulieren. Die Anwender und Patienten verlieren die selbstbestimmte Wahl der Produkte und können nicht mehr ihre Einmalkatheter bedarfsgerecht einsetzen. Das führt zu einer Verminderung der Versorgungsqualität bei den Anwendern und Patienten, deren Lebensqualität in erheblichen Umfang eingeschränkt wird.

Ausschreibungspraxis

Über Ausschreibungen organisieren Krankenkassen ihre Vertragsbeziehungen in der Hilfsmittelversorgung über exklusive Vereinbarungen mit einzelnen Leistungserbringern. Auch dabei können die Patienten nicht mehr ihre gewohnten Hilfsmittel beziehen, sondern werden zentral versorgt. Eine Wahlfreiheit für spezielle Einmalkatheter wird über diese Praxis eingeschränkt.

Die wahren Leidtragenden sind bei beiden Regelungen die Patienten und Anwender von Hilfsmitteln. Durch die eingeschränkte Produktvielfalt, haben sie nicht mehr die Möglichkeit einer individuellen Versorgung.

Folgen von Pauschalen und Ausschreibungsverträgen für ISK-Anwender
  • Weitere Artikel zum Thema

  • »Kräftige Ohrfeige für die DAK«

    Das Bundesversicherungsamt hat der DAK-Gesundheit eine Ausschreibung zur Stoma-Versorgung untersagt | Die Krankenkasse klagt dagegen | Initiative »Faktor Lebensqualität« fordert sofortigen Stopp der Ausschreibungen Weiterlesen

  • Kampagne gegen Ausschreibungen in sensiblen Bereichen

    Krankenkassen schreiben weiterhin die Versorgung mit medizinischen Hilfsmitteln für ableitende Inkontinenz- und Stomapatienten aus. Das ist nach Ansicht der Initiative "Faktor Lebensqualität" jedoch nicht rechtmäßig. Außerdem gefährden solche Ausschreibungen die Versorgungsqualität – und damit Gesundheit und Wohlergehen der Betroffenen. Um auf das Problem aufmerksam zu machen, startete die Initiative am 26. März 2018 die bundesweite Anzeigen- und Medienkampagne "Nein zu Ausschreibungen". Darin kommt die Patientin und Stomaträgerin Sabrina Berning zu Wort. Weiterlesen

  • Anzeigenkampagne »Nein zu Ausschreibungen!« startet


    »Liebe Krankenkasse, nicht am falschen Ende sparen«




    Immer mehr Krankenkassen schreiben die Versorgung mit medizinischen Hilfsmitteln für Inkontinenz- und Stomapatienten aus. Das ist nach Ansicht der Initiative »Faktor Lebensqualität« in den bisherigen Fällen nicht rechtmäßig.... Weiterlesen


©1999 - 2018 BVMed e.V., Berlin – Portal für Medizintechnik