Versorgungsprobleme

Wenn plötzlich der falsche Katheter geliefert wird

Einige Krankenkassen haben kürzlich die Versorgung mit medizinischen Hilfsmitteln ausgeschrieben, um Kosten zu sparen. Dies hat vielen Patienten Probleme bereitet, die wegen Funktionsstörungen von Darm oder Blase auf die Versorgung mit Stoma- und ableitenden Inkontinenzartikeln wie Kathetern angewiesen sind. Die Initiative Faktor Lebensqualität verdeutlicht mit einigen Fallbeispielen die Auswirkungen auf die Betroffenen.

»Weil die Krankenkasse sparen will, muss meine Tochter leiden«, sagt Sabrina Grau. Ihre Tochter Antonia ist wegen einer Blasenfunktionsstörung und nach einer Operation auf eine bestimmte Sorte Katheter angewiesen. Nachdem die Krankenkasse der Graus den Versorger für dieses medizinische Hilfsmittel gewechselt hatte, kam die Lieferung des notwendigen Materials nicht rechtzeitig. Auch die gewohnte intensive fachliche Betreuung fiel weg. Für die Tochter von Sabrina Grau hatte dies schwerwiegende medizinische Folgen.

Etwa 250.000 Menschen sind in Deutschland wegen Funktionsstörungen des Darms oder der Blase auf eine dauerhafte und gute Versorgung mit Stoma- und ableitenden Inkontinenzartikeln wie Kathetern angewiesen. Diese ermöglichen ihnen ein selbstbestimmtes Leben – und die angemessene und individuelle Versorgung in diesem intimen Bereich steht ihnen auch gesetzlich zu. Einige Krankenkassen haben die Verträge für diese medizinischen Hilfsmittel vor kurzem ausgeschrieben und die Versorgung danach an den günstigsten Lieferanten gegeben. Für etliche Betroffene wie Familie Grau hatte das erhebliche Folgen: Sie erhalten nicht mehr die gewohnten Produkte, der Service ist schlechter, die individuelle Beratung und Betreuung fällt weg. Die Initiative Faktor Lebensqualität hat Beispiele für die Verschlechterung der Versorgung nach einem erzwungenen Anbieterwechsel gesammelt. Sie sind auf der Webseite www.faktor-lebensqualitaet.de dokumentiert.

»Die Lebensqualität der Patienten leidet massiv, wenn die ihnen rechtlich zustehende Versorgung mit den erforderlichen Produkten und Dienstleistungen nicht erbracht wird«, sagt Klaus Grunau, Vorstandsmitglied des BVMed und Sprecher der Initiative Faktor Lebensqualität, ein Zusammenschluss führender Hersteller für die intermittierende Selbstkatheterisierung (ISK) im Bundesverband Medizintechnologie (BVMed). »Durch die Ausschreibung der Leistungen besteht die Gefahr, dass Krankenkassen zum medizinischen Nachteil von Patienten Kosten einsparen oder die erforderlichen Standards absenken«, so Grunau weiter.
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