NICHT AM FALSCHEN ENDE SPAREN!

Deutschlandweite Anzeigenkampagne »Nein zu Ausschreibungen!« startet

Die Initiative »Faktor Lebensqualität« warnt vor Ausschreibungen für Hilfsmittel zur ableitenden Inkontinenz- und Stomaversorgung

Einige deutsche Krankenkassen haben im vergangenen und diesem Jahr ihre Versorgung zur ableitenden Inkontinenz- und Stomaversorgung ausgeschrieben und danach an neue Lieferanten vergeben. Dies geschieht fast immer aus Kostengründen und führt zu Nachteilen für die Patienten. Erste Befragungen und Erfahrungsberichte der Betroffenen nach dem Zwangswechsel haben ergeben, dass sich teilweise die Qualität der Versorgung und der Beratung verschlechtert hat. Manche Patienten denken deshalb sogar über einen Wechsel der Krankenkasse nach. Ausschreibungen in dem sensiblen Bereich der Stoma- und ableitenden Inkontinenzversorgung gefährden das Wohl und die Gesundheit der Patienten, weil diese aufgrund ihrer Erkrankung immer wieder auf eine intensive Beratung und Betreuung angewiesen sind. Ausschreibungen mit dem Ziel der Kostenreduktion sind daher aus Sicht der Initiative »Faktor Lebensqualität« alles andere als zweckmäßig. Vielmehr spielen sie auf unverantwortliche Weise mit der Gesundheit der Betroffenen. Außerdem schränken sie deren Wahlfreiheit erheblich ein.

Ausschreibungen sind nicht rechtmäßig und unterlaufen bewusst neues Gesetz
Nach Ansicht der Initiative »Faktor Lebensqualität« verstoßen Ausschreibungen darüber hinaus gegen geltendes Recht und die Absichten des Gesetzgebers bei der Verabschiedung des Heil- und Hilfsmittel-Versorgungsgesetzes (HHVG). Das HHVG sieht eindeutig vor, dass Ausschreibungen nicht zulässig sind, wenn Hilfsmittel individuell angefertigt werden müssen oder die Versorgung mit einem hohen Dienstleistungsanteil verbunden ist. Dies trifft auf die ableitende Inkontinenz- und Stomaversorgung zweifelsohne zu. Die Ausschreibungen der vergangenen Monate sind daher aus Sicht der Initiative nicht rechtmäßig.
Die bundesweite Anzeigen- und Medienkampagne »Nein zu Ausschreibungen« soll darauf aufmerksam machen. Sie lässt Patienten wie Stomaträgerin Sabrina B. zu Wort kommen und wird von Anzeigen in Publikums- und Fachmedien sowie einer Postkarten-Petition begleitet, in der sich Betroffene direkt an ihre Krankenkasse wenden können.
Die Anzeigen richten sich vor allem an die Verantwortlichen bei den Krankenkassen und verstehen sich als Appell, eventuell geplante Ausschreibungen noch einmal zu überdenken. Das Wohl und die Wahlfreiheit der Patienten sollten immer im Mittelpunkt stehen und nicht zugunsten wirtschaftlicher Interessen in den Hintergrund treten.

Ausschreibungen gefährden die Lebensqualität der Patienten und ihre individuelle Versorgung
Ausschreibungen von medizinischen Hilfsmitteln gefährden die Versorgungssituation von Menschen, die auf die individuelle Versorgung mit medizinischen Hilfsmitteln angewiesen sind. Besonders in Bereichen, in denen die Betroffenen viel Beratungsbedarf haben, die medizinischen Hilfsmittel angepasst werden müssen und aus anderen Gründen nicht standardisierbar sind, senken Ausschreibungen das Versorgungsniveau für den Einzelnen.

Da Versorgungsfälle in Bereichen wie der Stomaversorgung und bei ableitender Inkontinenz stark abweichende, individuelle Produkt- und Dienstleistungen erfordern, befürchtet die Initiative »Faktor Lebensqualität« als Ergebnis von Ausschreibungen erhebliche Einbußen in der Versorgungsqualität und der Wahlfreiheit bei den medizinischen Hilfsmitteln und den versorgenden Leistungserbringern. In der Praxis werden die bisher gewohnten Produkte vielfach nur noch gegen so genannte Aufzahlungen ermöglicht, d. h. ohne Zuzahlungen erhalten die Betroffenen nur günstige, für sie ungewohnte oder womöglich ungeeignete Produkte. Die Handhabung mit den neuen Hilfsmitteln müssen sie wieder erlernen – oder sie zahlen drauf, um weiterhin das gewohnte, individuell geeignete Produkt zu erhalten. Das hebelt das Sachleistungsprinzip aus. In den sensiblen Bereichen der Patientenversorgung sind deshalb Ausschreibungen nicht geeignet.

Betroffene unterstützen die Kampagne
Das Anzeigenmodell Sabrina B. ist als Stoma-Trägerin selbst von einer Ausschreibung ihrer Krankenkasse betroffen – und sah sich deshalb zu einem Wechsel der Versicherung gezwungen. Um andere Kassen von Ausschreibungen abzuhalten, erklärte sie sich spontan bereit, die Kampagne als Testimonial zu unterstützen. Patientengeschichte Sabrina B.

Andere Betroffene und Angehörige sind aufgerufen, sich an der Postkarten-Petition zu beteiligen: Sie können ihren Appell gegen Ausschreibungen mit der von der Initiative zur Verfügung gestellten Postkarte direkt an ihre Krankenkasse schicken.
Bereits im Vorfeld der Anzeigen-Kampagne sammelte die Selbsthilfegruppe Stoma-Welt fast 6.000 Unterschriften für den Erhalt der Selbstbestimmung und Wahlfreiheit der Patienten. »Ein deutlicher Warnschuss für die DAK«

Motive der Anzeigenkampagne zum Download
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